# Ein Abend für Esther Bejarano
Esther Bejarano (1924–2021) war Überlebende von Auschwitz, Mitglied des Mädchenorchesters, Antifaschistin, Zeitzeugin, Aktivistin – und bis ins hohe Alter eine laute, unbequeme Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und rechte Gewalt.
Dieser Abend ist ihr gewidmet: als Erinnerung, als Dank – und als Aufforderung, weiterzumachen.
Musik – Daniel Kahn
Der Musiker, Komponist und Dichter Daniel Kahn verbindet jiddische Lieder, Klezmer, Folk und Punk mit politischer Poesie und radikaler Gegenwartsanalyse. Kahn, der viele Jahre in Berlin lebte, steht für eine zeitgenössische, widerständige jüdische Kultur, die Erinnerung nicht museal denkt, sondern als lebendige Praxis. Seine Musik knüpft an Traditionen des antifaschistischen Widerstands an – mit Ironie, Wut und Hoffnung.
Lesungen
Dan Thy Nguyen liest aus „Sonnenblumenhaus“. Das Buch nähert sich den rassistischen Pogromen von Rostock-Lichtenhagen 1992 aus einer persönlichen Perspektive und fragt nach den blinden Flecken der deutschen Erinnerungskultur. Nguyen, Autor, Regisseur und Theatermacher, verwebt eigene Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse – und macht deutlich, wie tief die Kontinuitäten rechter Gewalt in der deutschen Nachkriegsgeschichte verankert sind.
Benet Lehmann liest aus dem Buch „Esther Bejarano. Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts“, das Esther Bejarano gemeinsam mit Benet Lehmann erarbeitet hat. Benet ist Autor_in, Herausgeber_in und politische_r Bildner_in. Das Buch erzählt Esthers Leben aus ihrer eigenen Perspektive – und zeigt sie als Überlebende, Musikerin und unermüdliche Kämpferin gegen das Vergessen.
Diskussion
Kontinuitäten rechter Gewalt – Warum Verdrängen keine Option ist
Mit:
Daniel Kahn · Dan Thy Nguyen · Benet Lehmann · Anton Sefkow (Enkel von Esther Bejarano) · Jenny Beyer
Die Gesprächsrunde nimmt Esthers politische Haltung ernst: Erinnerung ist kein Selbstzweck. Diskutiert werden die Zusammenhänge zwischen historischer Gewalt, mangelnder Aufarbeitung und aktuellen rechten Bedrohungen – sowie die Frage, welche Verantwortung Kunst, Bildung und Zivilgesellschaft heute tragen.
Tanzperformance – Jenny Beyer
Zurück zu Ali
Zurück zu Ali ist ein dokumentarisches Tanzsolo der Hamburger Choreografin Jenny Beyer. Im Zentrum steht die Biografie ihres Großvaters Walter »Ali« Beyer, kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Das Stück verbindet persönliche Erinnerung mit politischer Recherche und untersucht, wie sich familiäre Geschichten über den Körper künstlerisch vermitteln lassen. Es stellt Fragen nach Erbe, Erinnerungskultur und der Relevanz individueller Geschichten im aktuellen gesellschaftlichen Klima – angesichts eines europaweiten Erstarkens rechter Bewegungen.
Das Projekt entsteht im Rahmen von „Shared Leadership in Dance“ und wird von offenen Studioformaten zu Erinnerung, Teilhabe und Reflexion begleitet.
Ein Abend für Esther ist kein stilles Gedenken.
Es ist ein politischer Abend.
Ein künstlerischer Abend.
Ein solidarischer Abend.
Und vor allem: ein Abend, der Esthers Haltung weiterträgt.